„Stabilität ist für Dubai zentral"

„Stabilität ist für Dubai zentral“

Hennef/Köln, 19. März 2026

Belastungsprobe. Der Immobilienmarkt in Dubai gilt seit Jahren als Magnet für internationales Kapital. Doch die jüngsten militärischen Spannungen in der Region werfen die Frage auf, wie krisenfest der Immobilienboom am Golf ist. Stefan Nölker, CEO des in Dubai vertretenen Maklerhauses Falc Immobilien, spürt bereits eine veränderte Risikowahrnehmung.


Immobilien Zeitung: Herr Nölker, wie ist Falc Immobilien in Dubai aufgestellt und welche Rolle spielt der Standort für Ihr Unternehmen?

Stefan Nölker: Falc Immobilien ist in Deutschland als Franchisegeber mit rund 150 Standorten aktiv und betreibt seit knapp zwei Jahren auch einen Standort in Dubai. Dort arbeiten drei Mitarbeiterinnen. Wir decken dort sowohl Neubauprojekte als auch den Secondary Market ab. Ein wesentlicher Bestandteil unseres Geschäfts ist die Vernetzung. Wir begleiten deutsche Kunden bei Investitionen in Dubai und vermitteln umgekehrt internationale Investmentmöglichkeiten. Dubai ist für uns ein strategischer Auslandsstandort mit Wachstumsperspektive.


IZ: Wie haben Ihre Mitarbeiterinnen die Situation vor Ort in Dubai konkret erlebt?

Nölker: Der erste Moment war natürlich von Verunsicherung geprägt. Vor allem die akustisch und visuell wahrnehmbaren Abfangmaßnahmen, also das sichtbare Abschießen von Drohnen, haben Eindruck hinterlassen. Gleichzeitig berichten unsere Kolleginnen, dass sehr schnell strukturierte Informationen über offizielle Kanäle kommuniziert wurden, mit klaren Handlungshinweisen für die Bevölkerung, etwa sich in sichere Bereiche oder Tiefgaragen zu begeben. Das habe wesentlich zur Beruhigung beigetragen. Sie berichten von einem großen Vertrauen vieler Menschen in die staatlichen Institutionen. Dieses Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Regierung wirke stabilisierend, sowohl emotional als auch im Alltag. Inzwischen sei das öffentliche Leben weitgehend zurückgekehrt, wenn auch mit einer spürbar gedämpften Stimmung.


IZ: Haben Sie seit Beginn der militärischen Eskalation messbare Veränderungen bei Anfragen oder Abschlüssen festgestellt?

Nölker: Wir sehen aktuell weniger einen Nachfrageeinbruch als vielmehr eine spürbar vorsichtigere Entscheidungsfindung. Gerade deutsche Investoren fragen jetzt genauer nach, prüfen intensiver und lassen sich mehr Zeit bis zur finalen Reservierung oder zum Abschluss. Das passt zu einem Markt, der fundamental stark bleibt, kurzfristig aber unter erhöhter Unsicherheit steht.


IZ: Gab es bei Ihnen konkrete Stornierungen oder Verschiebungen von Kaufentscheidungen?

Nölker: Im Moment sehen wir eher Verschiebungen als echte Stornierungen. Einige Investoren vertagen Reisen, Besichtigungen oder Entscheidungen, bis die Lage klarer ist. Das ist derzeit vor allem ein Timing-Thema und noch kein Beleg für eine strukturelle Schwäche des Markts.


IZ: Hat sich durch den Konflikt die Risikowahrnehmung gegenüber dem Standort Dubai verändert?

Nölker: Ja, die Risikowahrnehmung hat sich verändert. Dubai wird weiterhin als starker Standort gesehen, aber das Sicherheitsnarrativ wird kritischer hinterfragt als noch vor wenigen Wochen. Diese Veränderung betrifft aktuell vor allem das Vertrauen und das Entscheidungstempo.


IZ: Sehen Sie Kapitalabzug aus der Region oder eher einen Safe-Haven-Effekt?

Nölker: Kurzfristig sehe ich vor allem Abwarten, nicht automatisch einen Kapitalabzug. Mittelfristig kann Dubai wieder profitieren, weil der Standort steuerlich attraktiv, international investierbar und regulatorisch vergleichsweise stark bleibt. Entscheidend ist, wie schnell sich die geopolitische Lage beruhigt.


IZ: Reagieren internationale Investoren anders als deutsche Käufer?

Nölker: Nach meiner Erfahrung reagieren britische und US-amerikanische Investoren in solchen Phasen häufig opportunistischer und transaktionsorientierter. Deutsche Käufer verhalten sich in der Regel sicherheitsorientierter, stellen mehr Detailfragen und legen größeren Wert auf Planbarkeit. Das ist weniger eine Frage von Mut als von unterschiedlicher Investitionskultur.


IZ: Besteht angesichts der stark gestiegenen Preise der vergangenen Jahre die Gefahr einer Korrektur?

Nölker: Eine kurzfristige Abkühlung ist möglich. Ich erwarte jedoch eher eine selektivere Marktphase als einen abrupten Einbruch. Der Markt war zuletzt sehr dynamisch, sodass eine geopolitische Eskalation eher eine Normalisierung beschleunigen könnte als einen pauschalen Crash auszulösen.


IZ: Wie abhängig ist der Markt von internationalem Kapital und wie verwundbar macht ihn das?

Nölker: Dubai ist stark von internationalem Kapital geprägt. Das ist eine große Stärke, macht den Markt aber in Krisen auch sensibel. Wenn Vertrauen, Reisewege oder grenzüberschreitende Zahlungsströme belastet werden, reagiert ein solcher Markt schneller als ein stärker binnengetriebener. Genau deshalb spielt das Thema Stabilität für Dubai eine zentrale Rolle.


IZ: Wir bedanken uns für das Gespräch.

 

IZ Lizenz: 01389-OLWI

Zurück

Kontaktdaten
Humperdinckstraße 3  ·  53773 Hennef (Sieg)

0800 - 646 0 646

Erreichbarkeit

Mo. - So.: 6:00 - 22:00 Uhr

Wünschen Sie einen Rückruf?
Jetzt Termin vereinbaren!

Wann erreichen wir Sie am besten?*

* Pflichtfelder

Der von Ihnen verwendete Browser ist veraltet

Aus Sicherheitsgründen und um die Homepage korrekt darstellen zu können, empfehlen wir Ihnen einen moderneren Browser zu verwenden: